Liturgisches Orgelspiel

Was erwartet einen angehenden Orgelschüler/ eine angehende Orgelschülerin?
Wer sich auf das Orgelspiel einlässt, sollte bereits etwas Erfahrung auf dem Klavier gemacht
haben. Es besteht aber auch die Möglichkeit, gleich an der Orgel zu beginnen.
Orgel zu spielen bedeutet, mit Händen und Füßen spielen zu können.
Die Hände bewegen sich auf den sogenannten Manualen ( Klaviatur der Orgel), die Füße auf dem Pedal. Die Töne kommen aus den Pfeifen, die noch durch verschiedene Registerzüge
verschiedene Klangfarben erklingen lassen können.
Ich unterrichte zunächst alles, was zur technischen Bewältigung des Instrumentes gehört:
-    Pedalübungen: Spielen mit Ferse und Spitze
-    Übungen für die Fingerfertigkeit (ähnlich dem Klavierunterricht)
-    Koordinationsübungen für Hände und Füße
Dann gehört natürlich das Erlernen diverser Kirchenlieder, Orgelliteratur(=kl. und gr. Konzertsücke) und auch Popularmusik dazu.
Die Möglichkeiten sind umfangreich und vielfältig.
Wie kann der Orgelschüler seine Fähigkeiten unter Beweis stellen?
Zunächst gibt es die Möglichkeit der Vortragsstunden in der Musikschule bzw. in der
Kirche. Hauptsächlich wird aber der Einsatz während einer Messe sein. Kleinere Schüler
dürfen 4-händige Orgelstücke mit mir spielen (auch als Klavierschüler/in), entweder zum Ein- oder Auszug  oder sie dürfen ein Kommunionstück vorbereiten. Außerdem besteht gleichzeitig das Angebot,  beim Kinderchor mitzusingen. Größere Schüler oder Erwachsene gestalten ganze Messen oder ebenfalls Teile daraus.

Wichtig ist mir, das Interesse und das Bedürfnis zu wecken, kulturelle Ereignisse in der Gemeinde und Pfarre selbst mitgestalten zu wollen, aktiv zu sein und Freude am
Musizieren zu haben.

DIE ORGEL (griech. organon, Werkzeug, Instrument)

Die Orgel ist die „Königin der Instrumente“.
Sie hat den größten Tonumfang, die mächtigste Klangfülle und bietet die meisten Möglichkeiten zur Veränderung der Klangfarbe.

Die Orgel besteht aus drei Hauptteilen:
1.    Pfeifenwerk
2.    Windwerk
3.    Spieltisch (Manuale und Pedal) mit Registerwerk

Die Orgel wird vom Spieltisch aus bedient. Der Organist spielt mit den Händen auf dem
Manual (oder mehreren Manualen), das ist die Klaviatur der Orgel. Mit den Füßen bedient er das Pedal. Der Ton wird erzeugt, indem ein oder mehrere Register gezogen (gedrückt)  und
ein oder mehrere Tasten gedrückt werden. Durch diese Vorgänge kann der mit Strom aktivierte Blasebalg die Luft zu den Pfeifen transportieren. Die Luft strömt durch die Pfeifen,
und diese werden somit zum Klingen gebracht.
Der Ton wird wie gesagt von klingenden Pfeifen erzeugt, die als offene oder gedackte Lippenpfeifen (=Flötenpfeifen) oder als Zungenpfeifen ausgebildet sind.
Gedackte Pfeifen klingen 1 Oktave tiefer als offene Pfeifen.
Eine Pfeifenreihe mit einheitlicher Bauart und Klangfarbe (aber verschiedener Tonhöhe)
nennt man Register. Jede Orgel hat mehrere Register (mittlere Orgeln haben 25-50, große über 100 Register). Eine Orgel mit 25 Registern hat etwa 1900 Pfeifen.
Die Anzahl und Art der Register = DISPOSITION einer Orgel bestimmen :
a)    den Tonumfang
b)    die Variationsmöglichkeiten der Klangfarbe
c)    die dynamischen Möglichkeiten
Wir unterscheiden bei der Bauart der Orgel wiederum 3Typen:
1.    Orgeln mit mechanischer Bauweise (Traktur)
2.    Elektropneumatische Orgeln ( Windversorgung über einen Windkanal)
3.    Elektrische Orgeln (Magnetkontakte)


Zur Geschichte der Orgel

Erste Orgeln finden wir im 3.Jh. v. Chr. Das waren Wasserorgeln (Hydraulis), die ausschließlich bei großen Schaukämpfen und Schauveranstaltungen in Amphitheatern zur Unterhaltung in Kombination mit dem Cornu  (einem hornähnlichen Instrument) gespielt wurden.
Im 8./9.Jh. kamen Orgeln in unserem Sinn  (mechanische Traktur und Windversorgung über einen Blasebalg) als kaiserliche Geschenke aus Byzanz an PIPIN und  KARL D.GROßEN
ins Frankenreich. Erste Kirchenorgeln standen in Aachen (8129, Straßburg (9.Jh.) und Winchester (10.Jh.). Im 14./15.Jh. hat die Orgel bereits mehrere Register, mehrere Manuale und ein Pedal. Im 17. Jh. werden die Prospekte (Vorderansicht der Orgel) reich ausgestaltet
und die Sonderregister vermehrt, besonders in Deutschland und Frankreich.
In der 2. Hälfte des 18.Jh. verlor die Orgel ihren Werkcharakter zugunsten eines romantischen Klangideals mit orchestralen Farben und fließenden dynamischen Übergängen.
Die um 1900 einsetzende Orgelbewegung orientierte sich  wieder am Klangideal des Barock.


 

Unterrichtet von:

Hermine Aichinger